Nachrichten Worms 21.07.2015

Spielerisch in die Welt der Informatik

Von Florian Stenner

HOCHSCHULE Schüler informieren sich über Studieninhalte der Computerwissenschaft

WORMS – Normalerweise herrscht in diesen Tagen auf den Fluren der Wormser Hochschule Ruhe. Tür an Tür schreiben die Bachelor- und Masterstudenten aktuell eine Klausur nach der anderen. Alles andere als ruhig ging es dagegen zuletzt auf den Fluren der Informatik-Fachschaft zu. Dort wuselten mehr als 100 Schüler von Seminarraum zu Seminarraum. Zum vierten Mal fand kurz vor den Sommerferien die Informatik-Challenge statt, bei der sich Schulklassen auf spielerische Art und Weise den Studieninhalten der Computerwissenschaft näherten.

Dass dabei vornehmlich Kenntnisse in den oftmals so gefürchteten Fächern wie Mathe oder Physik benötigt werden, geriet mit jeder absolvierten Station der Challenge mehr und mehr in Vergessenheit.

Keine kryptischen Codes

Unendlich lange Zahlenreihen und kryptische Codes, wie sie nur allzu gerne mit der Informatik in Verbindung gebracht werden, suchte man bei der Challenge nämlich vergebens. Stattdessen präsentierten Studenten und Mitarbeiter der Fachschaft den Wettbewerbern im wahrsten Sinne des Wortes Informatik zum Anfassen. So durften die Gruppen mit Hilfe eines ausgeklügelten Computerprogramms Bausteine in einer virtuellen Welt mit ihren realen Händen verschieben. Hierfür scannte eine Kamera die Hände aus Fleisch und Blut ein und wandelte sie anschließend in virtuelle Hände um.

Wir wollen spielerisch Informationen weitergeben und das Interesse am Fach Informatik wecken“, erklärte Professor Dr. Bernd Ruhland, Dekan der Fachschaft Informatik. Letztlich erhoffen er und seine Mitstreiter sich von der Informatik-Challenge neue Studenten. Ähnlich wie die Studiengänge Mathematik und Physik habe auch die Informatik noch ausreichend Studienplätze frei. Gleiches gelte laut Ruhland auch für den Arbeitsmarkt. Hier gebe es ebenfalls noch ausreichend offene Stellen für qualifizierten Nachwuchs.

Wie vielfältig das Fachgebiet der Computerwissenschaft ist, versuchten der Dekan und seine Helfer zu verdeutlichen. Neben dem Einsatz virtueller Hände übten sich die Wettbewerbersteilnehmer auch am computergesteuerten Aussägen von Holz. Für das verlangte Zuschneiden eines Vierecks benötigte es lediglich die korrekte Eingabe von Daten in ein Koordinatensystem.

Was die Studenten normalerweise mit der Computersäge konstruierten, zeigte Michel Decker. Der Masterstudent präsentierte seine Drohne, die nicht einmal mehr einer Steuerung bedarf. „Wir geben ihr ein Ziel vor und sie fliegt es an“, erklärte Decker, während seine jungen Gäste nicht schlecht staunten.

Nicht minder fasziniert war auch Davide Sole, Deutsch- und Religionslehrer an der Fachoberschule Schifferstadt. Er beobachtete interessiert, wie seine Schüler Zahlen und Buschstaben in Strichcodes umwandelten. „Durch die gute Anleitung bedarf es keiner großen Vorkenntnisse“, urteilte er und bilanzierte begeistert: „Ich finde diese Challenge genial. Hier erleben die Schüler die direkte Anwendung der Informatik, was die Motivation immens steigert.“

Zentrales Schulfach

Gänzliches Neuland war die Welt der Zahlen und Codes für einige der Teilnehmer aber nicht. Denn die eingeladenen Kooperationsschulen der Wormser Hochschule bieten allesamt Informatik als zentrales Schulfach im Stundenplan. Sogar ein Leistungskurs Informatik war in diesem Jahr vertreten.

Wormser Schulen suchte man in diesem Jahr allerdings vergebens. Die Zahl der weiblichen Teilnehmer war im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Bestand das Teilnehmerfeld im letzten Jahr noch zu 40 Prozent aus Mädchen, sank der Anteil in diesem Jahr laut Professor Ruhland auf 15 bis 20 Prozent. „Das entspricht aber auch dem Anteil an Studentinnen in der Hochschule“, erläuterte der Dekan, der dennoch „rundum zufrieden“ mit dem Verlauf der Veranstaltung war.

Quelle: http://www.wormser-zeitung.de/lokales/worms/nachrichten-worms/spielerisch-in-die-welt-der-informatik_15875522.htm